Diakonisches Werk der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

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15.09.2009

Für viele Hartz IV-Empfängerinnen ist Verhütung unbezahlbar

Diakonie appelliert an die niedersächsischen Bundestagsabgeordneten

Aus der Praxis diakonischer Beratungsstellen wird immer häufiger geschildert, dass Frauen ungeplant schwanger werden, weil sie kein Geld für Schwangerschaftsverhütung aufbringen können.

Deshalb hat Diakonie-Direktor Dr. Christoph Künkel an die niedersächsischen Bundestagsabgeordneten einen dringenden Appell gerichtet: „Während auf der einen Seite Schwangerschaftsabbrüche von Hartz IV-Empfängerinnen bzw. Frauen mit geringem Einkommen über die Krankenkassen abgerechnet werden, wird auf der anderen Seite die Finanzierung von Verhütungsmitteln und Sterilisationen nicht zusätzlich übernommen und muss aus dem Regelsatz gezahlt werden.“ Für viele Ratsuchende sei das jedoch unmöglich, sie würden sich deshalb verzweifelt an die Beratungsstellen der Diakonie wenden. Die Politik müsse unverzüglich handeln.

Sabine Kuhne, Schwangerenberaterin in der Lebensberatungsstelle Rotenburg/Wümme, beklagt: „Uns ist aufgefallen, dass immer mehr Frauen über ihre ungewollt eingetretene Schwangerschaft berichten. In den Beratungsgesprächen wird häufig schamhaft von fehlenden finanziellen Möglichkeiten für eine Verhütung erzählt.“ Für eine geregelte und sichere Verhütung sei in Familien mit Hartz IV „nicht regelmäßig Geld vorhanden“.

Die Pille koste zwischen 38,96 € und 59 € für drei Monate, eine Spirale mindestens 350 €, im Regelsatz für die Gesundheitspflege seien jedoch nur 13 € monatlich für Gesundheitspflege vorgesehen. Um die günstigere Pille zu kaufen, müsste also 3 Monate gespart werden, für die Spirale 13 Monate. „Das Ansparen ist theoretisch vielleicht denkbar, praktisch aber nicht umsetzbar“, so Kuhne.

Eine Petition zu diesem Thema, die Beraterinnen und Berater aus verschiedenen Diakonischen Werken der Landeskirche Hannovers im vergangenen Jahr an den Niedersächsischen Landtag und den Deutschen Bundestag gerichtet haben, blieb bisher ohne Resonanz. Diakonie-Direktor Dr. Christoph Künkel wendet sich deshalb jetzt direkt mit einem Brief an die niedersächsischen Bundestagsabgeordneten - mit der Bitte, „eine befriedigende gesetzliche Regelung“ zu finden und im „Wahlkreis darauf hinzuwirken, dass bis dahin für die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln Fonds mit ausreichenden Mitteln auf kommunaler Ebene“ einzurichten.

Zur Diakonie der Landeskirche Hannovers gehören 46 staatlich anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen in Niedersachsen.


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